Beziehung 4.0
Begegnung und Dasein in bewegten Zeiten
- bleibt alles anders?

Und plötzlich ist alles anders?! Beziehungs- und Settinggestaltung mit
Kindern und Jugendlichen in Zeiten der Pandemie

Erfahrungen aus der Coronazeit hinsichtlich Kinder- und Jugendlichentherapien via neuer Medien

Die Zeit(en) der Corona-Pandemie haben uns, unsere Klient*innen und besonders die Kinder
und Jugendlichen, mit denen wir arbeiten, immer wieder an Grenzen geführt: Grenzen einer
plötzlich veränderten Außenwelt, Grenzen neuer Settings, Grenzen der Belastbarkeit,
Grenzen der therapeutischen Beziehung.
Zugleich konnten wir aber auch neue Einblicke in Beziehungsdynamiken gewinnen,
gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen neue Settings erproben und unser Arbeiten, sowie
die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen, in denen wir und unser Arbeiten
eingebettet sind, immer wieder neu reflektieren.
In unserer Beratungsstelle (TAMAR), die eine Schwerpunktberatungsstelle für sexuellen
Missbrauch in der Kindheit ist, arbeiten wir, abgesehen von der Prozessbegleitung, auch
psychotherapeutisch mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen. Obwohl wir nach
unterschiedlichen psychotherapeutischen Schulen arbeiten, bildet ein
beziehungsfokussiertes Arbeiten die Grundlage der Beratungsstellenarbeit. Dieses Arbeiten
erfordert ein hohes Maß an Sicherheit, Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit für betroffene
Kinder und Jugendliche (und auch für die Therapeut*innen). All diese wichtigen Aspekte der
therapeutischen Beziehungsgestaltung wurden durch die veränderten und sich laufend
verändernden Rahmenbedingungen auf die Probe gestellt und damit auch die
therapeutischen Beziehungen.
Wie kann ein Settingwechsel von einer Spieltherapie in ein Videotelefoniesetting – und
wieder zurück - gelingen? Welche Fragen müssen im Vorfeld geklärt werden? Und was
bedeutet es, wenn solch ein Wechsel z.B. aufgrund mangelnder Möglichkeiten der Familien
nicht möglich ist? Was bedeutet dieses Eindringen oder Eingelassenwerden in den privaten
Raum eines Kindes/ein*er Jugendlichen/einer Familie? Wo kann ein verändertes Setting
eine Grenzüberschreitung bedeuten, die mit der zugrundeliegenden Traumatisierung in
Verbindung steht? Welche Herausforderungen können mit dem Arbeiten weiterhin im
persönlichen Kontakt, mit Masken verbunden sein?
Am Beispiel der Coronapandemie zeigen sich allgemeine Fragestellungen: Wie wirken sich
soziale Unterschiede der Familien auf die Gestaltungsmöglichkeiten in der Kinder-
/Jugendlichentherapie aus? Wo stoßen wir gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen an
Grenzen der Gestaltungsmöglichkeiten?
All diesen Fragen wollen wir uns gemeinsam in unserem Workshop widmen,
unterschiedlichen Erfahrungen austauschen, Fallvignetten vorstellen und miteinander ins
Gespräch kommen.

Mag.a Sigrid Gottsbacher, Psychotherapeutin (PP), Klinische- und Gesundheitspsychologin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin ,
Mitarbeiterin in der Frauen*- und Familienberatungsstelle TAMAR (Beratungsstelle für misshandelte und sexuell missbrauchte Frauen,
Mädchen u. Kinder), Psychotherapeutin in freier Praxis, langjährige Erfahrung im Kinderschutz, Lektorin im Psychotherapeutischen
Propädeutikum